Architectura Pro Homine - Forum für Klassische und Traditionelle Baukunst - www.aph-forum.de.vu

    

 · Home · Impressum & Datenschutz · Suche

Seiten mit Postings: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51

zum Seitenende

 Forum Index —› Deutschland —› Dresden
 


Autor Mitteilung
Harmonica
Mitglied

Beiträge: 117


 

Gesendet: 16:42 - 05.01.2004

Ich habe vorhin mal ein paar Bilder von dem "Problemort" gemacht.

Das erste Bild zeigt den Teil der "Mietskaserne", der nicht saniert wurde und abgerissen werden soll. Der Blickrichtung etwa folgend verlief vor 45 die Moritzgasse. Ich befinde mich folglich auf dem Gebiet des Hotel Stadt Rom.

[Link zum eingefügten Bild]


Hier haben wir den Bau der Tiefgarage. Links das Hilton und rechts die schönste Kirche Deutschlands...

[Link zum eingefügten Bild]


Ein Blick in die "Kleine Kirchgasse". Rechts wieder der sanierte Teil und das unsanierte Stück der Häuserzeile an der Wilsdruffer Str. Vorn, wo die zweite Laterne steht, stand früher das Hotel Stadt Rom. Die Tatsache, dass diese Gasse (wenn auch schön aussehende) Laternen bekommen hat, zeigt, dass hier in absehbarer Zeit kein Bau geplant ist.

[Link zum eingefügten Bild]

Im Übrigen kann ich zu diesem Thema nur den "Neumarkt Kurier" 02/2003 empfehlen, denn da wird auf das Hotel Stadt Rom genau eingegangen.

Ben
Goldenes Premium-Mitglied

Beiträge: 1337


 

Gesendet: 22:44 - 05.01.2004

Wenn diese Dinger nicht so im Weg stehen würden, wäre es schon ein Problem weniger! So saniert sind sie ja halbwegs erträglich. Nicht wieder falsch verstehen: Das "alte" ist natürlich das einzig Wahre!)
Kai_2
Senior-Mitglied

Beiträge: 288


 

Gesendet: 22:48 - 05.01.2004

Zitat:
Das "alte" ist natürlich das einzig Wahre


finde ich nicht (okay, in diesem falle schon) ich finde, dass man moderner architektur, die stilformen weiterentwickelt und an traditionellen elementen knüpft, auch respekt einräumen muss. es muss, meiner meinung nach, nicht zwangsläufig immer eine reko sein.
Kai
Kampflamm
registriert

Beiträge: 13


 

Gesendet: 00:37 - 06.01.2004

Das sind ja furchtbare Gebäude, die auf dem Weg zur Kirche stehen.

Das einzig Wahre sind die echten gebäude, die vor dem Krieg dort standen. Ein Patzschke Bau, z.B., würde aber schon sehr nah dran kommen.
Richard
registriert

Beiträge:


 

Gesendet: 10:24 - 06.01.2004

@Kai 2
Du hast/hättest ja unbedingt Recht, aaabääärrrr:

Genau das, was Du vorschlägst , wollen die Modernen Traditionalisten.
Doch wie sieht der grausame Alltag aus?
Ben
Goldenes Premium-Mitglied

Beiträge: 1337


 

Gesendet: 17:47 - 06.01.2004

@Kai
Ich meinte das auch im Bezug auf den Neumarkt! Natürlich sind nicht ALLE modernen Bauten grundsätzl. schlecht/hässlich - nur viele ...
Sebastian
Stammgast

Beiträge: 57


 

Gesendet: 19:01 - 06.01.2004

@mathias

Also mit Kompromißen oder Zugeständnissen hat das ja nichts oder nur sehr wenig zu tun: Die WOBA Nordwest hat in Dresden doch Narrenfreiheit !(siehe Libeskind-Bau)
Wo gibt´s den sowas, dass langfristige und feststehende städtebauliche Konzepte umgeworfen werden, weil irgendwelche Leute plötzlich andere Interessen haben !

Aber du hast schon recht :
Wenn Bürger und andere Privatleute nicht vehement in den Lauf der Dinge
eingreifen, ändert sich nichts in diesem Land, denn : Politik ist die Kunst, das Mögliche möglich zu machen...
Und: Eines Tages werden auch diese ärmlichen Baracken verschwunden sein,
aber sicher nicht erst in 30 Jahren !!!


mathias
Senior-Mitglied

Beiträge: 315


 

Gesendet: 22:22 - 07.01.2004

@Sebastian

Ja, ich wette auch, dass diese Baracken in weniger als 30 Jahren verschwunden sein werden!

Übrigens ist die Wohnbau NordWest als privatrechtlich betriebene Gesellschaft gerade nicht an die komplizierten Entscheidungsfindungsprozesse gebunden, die staatliche Gremien so oft hemmen. In einer GmbH wie dieser gibt es eine straffe Unternehmensführung, kein Wunder, dass die WOBA ihr Interesse am Libeskindbau so stramm verfolgen kann! In einem Gemeinderat müssen dagegen immer wieder neue Kompromisse zwischen völlig unterschiedlichen Lagern ausgehandelt werden - das spiegelt sich dann auch in der zögerlichen Entscheidungsfindung - siehe Neumarkt, Kulturpalast, Walschlösschenbrücke etc. Die WOBA Nordwest verwaltet außerdem laut Website über 20 000 Wohneinheiten in Dresden. Das dürfte ihren Einfluss weitgehend erklären...

www.wohnbau-dresden.de

PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 16:38 - 09.01.2004

Was die "Baracke" betrifft, die abgerissen werden soll: ich finde die auch alles andere als angemessen. Allerdings, nach allem, was ich von den Plänen mancher Investoren so weiss, sag ich euch eines: Wir könnten froh sein, wenn das Gros
der kommenden Neumarktbebauung so aussehen wird. Nein, das ist kein Witz - das ist mein voller Ernst. Diese Gebäude sind zwar abgrundtief hässlich, ja. Aber sie sind aus stein, mit ziegeldächer, ohne Beton, ohne stahl, ohne glas. Was
kommen wird - shopping malls, autohäuser (sic: im VVK projekt der rampischen Strasse), glaskästen - halte ich für wesentlich schlimmer.

Der Wiederaufbau des Neumarktes wird, so wie in allen Deutschen Städten, allein von Privatpersonen bestimmt werden. Es gibt Privatpersonen mit Geschmack, mit Sensibilität und Kultur - so wie wohl die meisten hier. Und es gibt leider auch
Privatpersonen ohne Hauptsschulabschluss,dafür mit schwarzen fingernägeln,
personen ohne Kultur und Bildung, die in einem drei Tage getragenen Unterhemd mit Bierdose vor dem Fernseher die Sportschau kucken und dabei laut gröhlen. Diese letzere Gruppe - Privatpersonen eben, die nicht die geringste Kompetenz in
Geschmacksbildung, Schönheit, Ästhetik oder Städtebau haben - bestimmen aber über unsere Städte. Sie nennen sich dann "Investoren". Sie brauchen tatsächlich keine Kompetetenz, sie müssen nicht einmal lesen und schreiben können (ich bin
sicher, einige von denen können es wirklich nicht); sie müssen nur eine einzige kleine Vorraussetzung erfüllen: Geld haben.

Im Moment habe ich für den Neumarkt leider kein gutes Gefühl. Wir werden zwar einige Rekonstruktionen bekommen. Aber jeder weiss, wie ein Altbau neben einem plumpem Betonklotz aussieht: Die ganze Wirkung, der ganze Flair ist hin. Wenn Leute wie Prisco ihren (völlig privaten) Willen durchsetzen - er wird nicht der einzige sein - dann ist das Areal für meine Begriffe verloren.

Übrigens, was du über die NAchteile der Demokratie und die daraus resultierenden faulen Compromisse sagst, das stimmt , Matthias. Aber es stimmt nur zum Teil: Es hängt davon ab, ob es sich um eine Angelegenheit handelt, in der weitgehend Consens herrscht oder nicht. Beispiel Altmarkt: Hier herrschte kein Consens, und man sieht wunderbar, wie ein fauler Compromiss zwischen Moderne und Historie aussieht: Nicht Fisch, nicht Fleisch, links Moderner Glaskasten, rechts "Stalinbarock". Bei der bisher rekonstruierten Altstadt (Zwinger, Oper, Brühlsche Terrasen, Frauenkirche) herrschte hingegen weitgehend Consens. Ich denke, beim Neumarkt würde es das auch, wenn man die Gesamtbevölkerung befragen würde. Das Problem ist nicht nur die Demokratie, sondern die Finanzen. Hätte ich genug Geld, Umfragen zu veranstalten (bei denen 90% der Bevölkerung sicher ganz klar sagen würden, was sie wollten - ihr könnt euch denken, was sie sagen würden), und selber zu investieren, wäre das Problem gelöst. Leider habe ich diese Millionen nicht, und so bleibt mir nur, meinen Protest zu äußern, was ich auch nicht lassen werde so lange ich lebe . Der Stadtverwwaltung Dresden, den Politikern, ist es ziemlich egal, ob man modern oder historisch baut. Sie wollen nur im Amt bleiben und möglichst viel Geld machen. Und genau das ist das problem der Demokratie: Nicht allein, dass es zu faulen kompromissen kommt,. wenn kein Konsens herrscht. Damit könnte ich noch leben. Was mich stört, ist: in den Angelegenheiten, in denen Konsens herrscht - ich kenne niemand, der ein "Modernes" Beton-Dresden will ausser einigen in Stuckaltbauten lebenden Architekten - wirde ein fast 99%-iger Konsens der Bevölkerung missachtet. Und es stecken einzig und allein rein private Interessen dahinter, die eine Stadt, besser: mehrere Städte, ein ganzes Land, eine ganze Kultur opfern.
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 12:49 - 10.01.2004

Karussell der Wunder
Das Grüne Gewölbe schließt. Und die Dresdner Umzüge nehmen ihren Lauf
von Uta Baier


Die Zeit der Wunder ist vorbei. Jedenfalls vorläufig. Das Grüne Gewölbe in Dresden, die größte barocke Schatzkammer in Europa, schließt für acht Monate. Kein Strahlen, Glitzern, Funkeln mehr in Dresdens Albertinum. Nie mehr. Das Grüne Gewölbe zieht ins teilweise rekonstruierte, teilweise neu aufgebaute Schloss und eröffnet am 8. September. Mit der Schließung am Sonntag um 20 Uhr beginnt der Umzug der Kunstschätze. Zurück ins Schloss, zurück an den ursprünglichen Ort, wenn auch schrittweise und vollständig erst 2006.


Fast 20 Millionen Besucher sahen die Ausstellung der Schätze aus dem Grünen Gewölbe seit ihrer Wiedereröffnung 1974 im Albertinum. Auch das eine Wunderkammer, gut inszeniert und auch heute noch nicht ganz veraltet, aber doch keine, wie sie nun wieder fürs Schloss geplant ist.


Am historischen Ort, mit historischer Präsentation. Acht Räume im Erdgeschoss des Westflügels werden den Besucher in das Jahr 1733 zurück versetzen, in den Urzustand der Schatzpräsentation. Historische Genauigkeit und der Verzicht auf Vitrinen werden das barocke Gesamtkunstwerk wiedererstehen lassen. Ein "Schatzkammermuseum" ,wie einst von August dem Starken eingerichtet, und ein Erlebnis, das vor allem aus konservatorischen Gründen für Besucher Voranmeldung und zeitlich befristete Tickets bedeutet. Exklusivität zieht Einschränkungen nach sich. So sehen es die Planungen vor, die den Eröffnungstermin auf 2006 festgelegt haben, parallel zum 800. Stadtjubiläum.


Der gesamte Schlosskomplex soll 2010 fertig sein. Bis dahin sind dann auch Rüstkammer, Münzkabinett und Kupferstichkabinett eingezogen. Als erstes wird am 25. März das Kupferstichkabinett im Schloss eröffnet. 450 000 Blätter, Kupferstiche von Martin Schongauer, Holzschnitte von Cranach, Lithografien und Radierungen von Picasso. Die Sammlung zählt weltweit zu den bedeutendsten. Auch hier orientiert man sich am Historischen. Das Kupferstichkabinett zieht in die Räume der 1560 gegründeten Kunstkammer. Erste Ausstellungen: "Weltsichten. Meisterwerke der Grafik, Malerei und Fotografie", "Rembrandt und sein Kreis". Auch wenn Dresden - nach einer Studie des BAT-Instituts - von den Deutschen bereits auf dem vierten Platz der einheimischen Kulturmetropolen gesetzt wird: Mit diesem Umzug beginnt der alte Glanz endgültig wieder sichtbar zu werden. Die Zeit der Ruinen und Provisorien ist vorbei. Das Gesamtkunstwerk Dresden wird wieder sichtbar.


Wenn im September Teil eins der Ausstellung des Grünen Gewölbes im ersten Obergeschoss des Westflügels, "Neues Grünes Gewölbe" genannt, eröffnet, wird man das noch deutlicher spüren. Hier werden die Schätze in modernen Vitrinen präsentiert. Wesentlich mehr als bisher und nach Eröffnung des Historischen Grünen Gewölbes fast alle.


Bis dahin aber muss Dresden, müssen die extra angereisten Touristen auf das neben der Gemäldegalerie Alte Meister populärste Museum verzichten. Es wird keine Sonderschau ausgewählter Stücke in Dresden geben, nur Postkarten und Bildbände werden von Diamantengarnituren und goldenen Trinkbechern, vom Kirschkern mit den 185 eingeschnittenen Gesichtern und von der prächtigsten Puppenstube, dem "Hofstaat von Delhi zum Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb" des Johann Melchior Dinglinger, Hofgoldschmied Augusts des Starken, künden. Ein schwacher Trost. Zu wenig Personal, zu viele Restaurierungen, der Umzug und die zur sächsischen Landesausstellung nach Torgau ausgeliehenen Vitrinen seien die Gründe für die programmierte Touristentrauer, so die Kunstsammlungen.


Während Dresden vorübergehend sein Funkeln verliert, kommen Amerika und Hamburg zu Ausstellungen mit Schätzen aus dem Grünen Gewölbe. Eine einmalige Gelegenheit, wie die Moma-Ausstellung in Berlin, die nur wegen der Baupläne in New York und Dresden möglich wurden. Ende Februar eröffnet in Jackson (Mississippi) eine Ausstellung mit Barockschätzen aus acht Dresdner Museen "The Glory of Baroque Dresden", New York und Hamburg werden Teile des Historischen Grünen Gewölbes zeigen.


Zur Eröffnung in Jackson haben sich Gerhard Schröder und George W. Bush angekündigt. Vielleicht ist es doch so, dass Kunst die Menschen befriedet und zusammenführt. Als Dresden seine Schätze vor einem Jahr in London präsentierte, trafen sich Gerhard Schröder und Tony Blair und wurden trotz Irak-Kriegsvorbereitungen nicht müde zu beteuern wie wichtig ihnen ihre Freundschaft sei.


Für Jörg Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, ist die Schließung trotzdem ein Grund für Freudentränen. Nach mehr als fünfzig Jahren kehrt die Sammlung an ihren ursprünglichen Ort zurück. Im Krieg auf die Festung Königstein ausgelagert, wurde sie 1945 nach Russland abtransportiert, kam 1958 unbeschadet zurück, wurde 1959 bis 1973 erstmals im Albertinum ausgestellt, ab 1974 dann dauerhaft. Bis morgen.





Artikel erschienen am 10. Jan 2004 i.d. WELT

Seiten mit Postings: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51

- Dresden -

zum Seitenanfang



 Forum Index —› Deutschland —› Dresden
 



Version 3.1 | Load: 0.008023 | S: 1_2