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 Forum Index —› Deutschland —› Dresden
 


Autor Mitteilung
Christian
Mitglied

Beiträge: 114


 

Gesendet: 14:58 - 04.10.2004

@Aenos

Man muss da schön unterscheiden: einerseits zwischen dem sich entwickelnden Wohnungsbedarf und andererseits der Einwohnerzahl. Beides hängt zwar miteinander zusammen doch bedeutet es in diesem Falle nicht, dass ein höherer Bedarf an Wohnungen mehr Einwohner mit sich bringt. Die Statistik ging davon aus, dass der Trend zur Individualisierung und zum Singlehaushalt weiter anhalten wird. Die geringen Geburtenzahlen werden hierdurch gewiss nicht emporschnellen und Dresden hat zu wenig Angebot an kleineren und attraktiven Wohnungen (Stichwort: erneut Individualisierung), die sich nicht unbedingt aus Platten zusammensetzen.

Auszüge der Studie waren glaube ich in der DNN zu lesen.
Christian
Mitglied

Beiträge: 114


 

Gesendet: 19:21 - 04.10.2004

Also ich habe heute Nachmittag ein wenig in dem Buch "Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg" geblättert. Für alle, die es interessiert, sei kurz gesagt, dass es sich um das ostdeutsche Pendant zu "Kriegsschicksale deutscher Architektur" handelt.

Zur Frage nach der ursprünglichen Bebauung auf dem Gebiet der zwei Plattenblöcke des Terrassenufers war meine Vermutung nach einer gründerzeitlichen und gleichsam auch barockisierenden Bebauung zutreffend.

[Link zum eingefügten Bild]

Zwischen 1873/74 errichtet, war er seiner Zeit einer der größten Wohnblöcke Dresdens und wie auch später üblich mit üppigen Details und großzügigen beinah parkähnlichen Hinterhöfen ausgestattet.
Ghettoähnliche Enge und Verwahrlosung durch schlechte Wohnbedingungen gab es in der gut betuchten Beamten- und Residenzstadt Dresden so gut wie nicht.
Viergeschossig, 25 Achsen mit Mansarddächern , zwei Mittel- und zwei Eckrisalite und die abgerundete dreiachsige Ecke waren kennzeichnend für die ehemalige Bebauung. 1945 ausgebrannt und in der Folgezeit mit gesamten Stadtgebiet abgerissen.

Die zukünftige Planung für dieses Gebiet sieht die Wiederherstellung der Blockkante von der Elbe aus betrachtet vor. Heute reiht sich dort ein Plattenbau an den anderen. Aufgrund der fortschreitenden Sanierung der Johannstadt und auch der Plattenbestände ist eine Durchführung im gesamten veranschlagten Ausmaße für die nächsten Jahrzehnte illusorisch. Schön zu sehen ist die strukturelle Anlehnung der neu zu gestaltenden Häuserblöcke an den ursprünglichen Zustand und dem ursprünglichen Ausmaßen der gründerzeitlichen Johannstadt.

[Link zum eingefügten Bild]

Quelle: Bauplatz Dresden
Clint____Eastwood
Novize

Beiträge: 36


 

Gesendet: 20:28 - 04.10.2004

In solchen Wohnblocks wie oben auf dem SchwarzWeiß-Foto haben sich die Großbürgerlichen Romane Fontanes' abgespielt, wenn auch in Berlin.
Was für Bücher kann man eigentlich aus Plattenbauten schöpfen?
Die einzige Häuserzeile in Sachsen, die diesem Pomp und Gloria nahekommt, findet man in Leipzig in der Ferdinand - Lassalle - Straße, mit dem dazu passenden Johannapark vor der Tür.
---------------------------------
Apropos Menschen und ihre Prägung durch die architektonische Umwelt:
in den neunziger Jahren hatte ich einige Außendienstmitarbeiter in den neuen Ländern und mußte nach einiger Zeit feststellen, daß ausnahmslos alle diejenigen, welche aus Plattenbauten kamen, entweder faul oder betrügerisch oder auf Dauer schlicht sich als zu dumm erwiesen, im Gegensatz zu denen, die ein Häuschen besaßen oder den vehementen Wunsch sich eines zu bauen verspürten.
Philon
Stammgast

Beiträge: 90


 

Gesendet: 21:09 - 04.10.2004

@tobse und aenos:

Ich finde es einigermaßen merkwürdig, die sinkenden Einwohnerzahlen insbesondere der ostdeutschen Städte immer wieder als Argument gegen die Rekonstruktion kriegszerstörter Innenstädte anzuführen.
Daß die Einwohnerzahlen sinken bedeutet, wie Christian richtig bemerkt, nicht zwangsläufig, daß auch die Innenstädte veröden müssen. Ob das geschieht, ist schlicht eine Frage der politischen Steuerung. Der Rückgang der Einwohnerzahlen kann eben auch eine Chance sein, die Städte wieder auf ihren verdichteten, "alteuropäischen" Kern zurückzuführen. Als diese Innenstädte im Mittelalter und der frühen Neuzeit errichtet wurden, lebten schließlich noch hundertausendfach weniger Menschen in ihnen (vgl. Frankfurt mit ca. 20 000 Ew. im 16. Jhdt. und ca. 600 000 Ew. heute) und es waren dennoch lebendige, vielfältige und lebensfähige Städte.

Um den Rückgang der Einwohnerzahlen in dem o.g. Sinn zu gestalten, braucht man aber gerade die Rekonstruktion kriegszerstörter Bauten und Ensembles in den Innenstädten. Es kann mir keiner einreden, daß es Zufall wäre, daß die Schrumpfung vor allem diejenigen Innenstädte veröden läßt, die im Krieg besonders stark zerstört und nie rekonstruiert wurden. Die Menschen fliehen diese Kerne dieser Städte, weil sie ihren Bewohnern keine Identität und keine ästhetische Qualität bieten. In weniger zerstörten oder einigermaßen rekonstruierten Stadtkernen leben die Menschen dagegen nach wie vor gerne und nach wie vor sind sie gerade bei jungen Menschen(oder halbwegs jungen wie mir
) beliebt.
Insofern verhält es sich gerade umgekehrt, als von Ihnen (tobse) behauptet oder von dir (aenos) befürchtet: die drohende Verödung der Innenstädte durch den Bevölkerungsrückgang ist kein Argument gegen die Rekonstruktion kriegszerstörter Stadtkerne, sondern gerade eines dafür!
Das setzt allerdings bei den Stadtplanern - neben mehr Offenheit für Rekonstruktionen - auch noch in anderer Hinsicht ein Umdenken voraus: in den Innenstädten muß wieder bezahlbarer Wohnraum für Menschen gebaut werden und nicht immer nur Flächen für Büros, Banken und Kaufhäuser. Und sage mir keiner, das ginge nicht oder sei nicht finanzierbar. Wenn alle Beteiligten wollten, ginge es auch.
Harmonica
Mitglied

Beiträge: 117


 

Gesendet: 21:12 - 04.10.2004

...um auf die rhetorische Frage zu antworten: Ich kenne kein Buch mit Plattenbauten, aber eine DDR-Serie, die ich als Kind gesehen habe: Spuk im Hochhaus! :look:

Anyway, leider steht nichts und rein gar nichts mehr dieser wunderschönen Bebauung in Johannstadt rum. Bei Löffler gibt's auch Photos zum Sachsenplatz - unglaublich schön. Naja, rumheulen bringt jetzt auch nichts mehr - wir können uns alle nur dafür einsetzen, dass zukünftige Bebauungen (egal wo) keine Brüche darstellen und ins Stadtbild passen.



Irgendwer hatte mal nach der Hauptstraße gefragt: ich war neulich dort und außer einer eingerüsteten Platte (gegenüber des Bunkers am Goldenen Reiter) war nichts von Durchbruch und Wiederherstellung alter Strukturen zu erkennen. Mit der Sanierung der Platte rechts von der Augustusbrücke ausgesehen wird scheinbar jetzt begonnen.

Das Glashaus am Wiener Platz ist im Rohbau fertig - wuchtiges Ding, bin mal gespannt wie das im fertigen Zustand wirkt. Weiterhin wurden am Wiener Platz bereits Kräne für den Bau des Kugelhauses aufgestellt, so dass das riesen Loch vor dem Bahnhof bald passé sein dürfte. "Kugelhaus" ist aber eigentlich etwas übertrieben, denn es handelt sich streng genommen um einen Glaskubus mit einem kugelförmigen Treppenhaus.

Bei der Baywobau war ich am Freitag: die Bodenplatte liegt schon und auch erste Ansätze einer vertikalen Bebauung sind auszumachen. Bilder gibts im Baugeschehen-Thread wenn die Grundsteinlegung stattgefunden haben wird.

Prost
Jojojetz
registriert

Beiträge: 7


 

Gesendet: 02:04 - 05.10.2004

Ich war 2003 in Dresden und man hat mir gesagt, dass aufgrund des Bevölkerungsrückgangs fast jedes fünfte Haus leer steht. Andererseits machte die Stadt auf mich den Eindruck, dass auch mindestens jede fünfte Wohnung in einem dieser Betonklötze ist.
Die Stadt sollte ein großes Augenmerk darauf legen, die richtigen Gebäude wegzukriegen, diese hässlichen Platten. Man sollte Anreize schaffen, dass die Menschen dort ausziehen und schon gar nicht primär diese Platten renovieren.
Aenos
registriert

Beiträge: 8


 

Gesendet: 09:33 - 05.10.2004

Philon - ich hab mich nicht gegen, sondern vor allem für Rekos ausgesprochen. Das Argument, die Platten wegzubekommen und die Stadt wieder zu verdichten, halte ich für besonders gut. Vielleicht werden so weitere Anreize auch für Westdeutsche (wie mich) geschaffen, in die Stadt zu ziehen.

So nett die Stadt auch ist, momentan sind es noch zu viele Plattenbauten und leerstehende Häsuer, was ich als Freiburger einfach nicht gewohnt bin. Im Winter kann das richtig depressiv machen.

Hauptsache, es kommt niemand auf die Idee, die Plattenbauten als "wertvolle DDR-Architektur" zu erkennen. Außerhalb Dresdens kann man gern was stehen lassen, die bemalte Fassade des Kulturpalastes ist sicher auch erhaltungswürdig, aber ansonsten muss das Ziel lauten, Dresden wieder etwas näher an seine ursprüngliche Schönheit zu bringen.

--
Aenos
(der nichts Neues gesagt hat)
Philon
Stammgast

Beiträge: 90


 

Gesendet: 09:43 - 05.10.2004

Hallo Aenos,

'tschuldigung! Mein Beitrag war auch eher als Antwort auf tobse gedacht. Ich habe schon verstanden, daß du nicht gegen Rekonstruktionen bist, sondern lediglich befürchtetst, daß der Bevölkerungsrückgang dabei ein Problem darstellen könnte. Das hab' ich in meinem Beitrag wohl leider nicht richtig deutlich gemacht.
Nichts für ungut!
Aenos
registriert

Beiträge: 8


 

Gesendet: 10:28 - 05.10.2004

Kein Problem. :)

--
Aenos
Christian
Mitglied

Beiträge: 114


 

Gesendet: 12:54 - 05.10.2004

Anbei der Artikel zur Diskussion über die zukünftige Gestaltung der Inneren Neustadt aus der DNN. Übrigens muss es immer Neustädter Markt, statt Neumarkt heißen!

In dem Artikel steht auch, dass die Durchbrüche zur Rähnitzgasse etc. gesetzt wurden, was nach Angaben von Harmonica nicht geschehen sein soll, aber lest selbst von Großen Gesten oder dummen Geschwätz...

Pro und kontra "große Geste" der DDR-Architektur

Was ist in der Inneren Neustadt historisch wertvoll? Hat die DDR-Architektur auf der Hauptstraße wirklich vor allem zerstört oder ist sie selbst wertvoll, erhaltenswerte Geschichte? Wie viel Platten-Wohnraum braucht die Innere Neustadt? Und wer soll das alles bezahlen? Solche Fragen wurden am Montagabend im Kulturrathaus angesprochen, bei einer Podiumsdiskussion zur "Rahmenplanfortschreibung" für das Gebiet zwischen Albertplatz, Albertstraße, Königstraße, Große Meißner und Köpckestraße. Vorab: Konkrete Antworten blieben aus.

Letzter offizieller Stand des Planungsrahmens, den die Stadt vorgeben wollte: Die Hochhäuser an der Sarrasanistraße sollten komplett abgerissen werden, heftige Eingriffe am Neumarkt die Vorkriegs-Größenordnungen des Platzes wieder herstellen. Solche "Reparaturen" sieht auch der neue Rahmenplan vor. Doch in wesentlich weniger drastischem Umfang. Schrittweiser Rückbau der Hochhäuser an der Sarrasanistraße auf eine geringere (noch nicht festgelegte) Geschosszahl, weitgehender Erhalt der Plattenbauten am Neumarkt, ein Wettbewerb für die bauliche Zukunft der Neumarkt-Kante an Großer Meißner und Köpckestraße - so könnte die Zukunft der Inneren Neustadt aussehen, hieß es bei der Podiumsdiskussion. Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) stellte klar: "Der Rahmenplan soll Handlungsleitfaden sein, er soll Stadtumbauprozesse anstoßen, ist koordinierende Grundlage des Handelns." Der Plan sei verbindlich, aber eben nicht Gesetz und soll zehn bis 15 Jahre Gültigkeit haben.

Woba-Geschäftsführer Wolfang Keller und der Berliner Architektur-Kritiker Wolfgang Kil gingen mit den Vorschlägen, die unter anderem im Rahmen eines öffentlichen Workshops entstanden sind, dennoch hart ins Gericht. "Der Rahmenplan lässt die Kirche im Dorf", zeigte sich Keller zunächst versöhnlich und lobte die DDR-Architektur in der Hauptstraße als "eines der besten Beispiele für Plattenbau". Ein Abriss, auch von Teilen, etwa um Durchbrüche für historische Achsen zu schaffen, sei "in keiner Weise geboten", warnte Keller. "Die Wohnungen sind beliebt, wir haben keine Vermietungsschwierigkeiten, es gibt also aus dieser Sicht keinen Abrissgrund", sagte der Woba-Chef. Und er warnte davor, die Aufmerksamkeit von Investoren auf das nach seiner Ansicht große Entwicklungspotenzial der Inneren Neustadt zu lenken, während noch am Wiener Platz um Bauherren gerungen wird.

Architektur-Kritiker Kil sprach den anwesenden Plattenbau-Mietern aus der Seele, als er die "Rückkehr-Sehnsucht" der Stadtplaner im Rathaus attackierte. Kil argumentierte pro DDR-Architektur, vielleicht sei diese Bauweise ebenso erhaltenswert, wie die am Kriegsende zerstörte Neustadt-Struktur, gab der Berliner Experte zu bedenken und bezeichnete die Gestaltung des Neumarkts wegen der Öffnung zur Elbe als "große Geste".

Diese "große Geste" könnte laut Rahmenplan durch zwei fünfeckige Gebäude an den beiden freien Neumarkt-Ecken und die Bebauung des Elbufers zwischen Finanzministerium und Augustusbrücke zurückgenommen werden. Diese neuen Fünfecke sollen den Plänen zufolge vier Meter niedriger werden als die Plattenbauten. Gesetzt sind mittlerweile die Durchbrüche durch die Plattenbau-Zeilen vom Neumarkt zur Rähnitzgasse und von der Hauptstraße zur Heinrichstraße. Umstritten dagegen noch: Die räumliche Wiederherstellung der Kasernenstraße vom Neumarkt zum Archivplatz mit den entsprechenden Plattenbau-Durchbrüchen.

Ob die Libeskind-Bauten in der Hauptstraße kommen, scheint indes unsicher. Woba-Geschäftsführer Keller erklärte: "Wir rechnen das gerade durch, wir brauchen 60 bis 70 Prozent Vermietung bei einem Preis von mehr als 17 Euro." Und wie zum gesamten Rahmenplan sagte Keller auch in diesem Fall: "Gebaut wird, was sich rechnet."

Quelle: www.dnn.de

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