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Autor Mitteilung
B. Szillis-Kappelhoff
Moderator

Beiträge: 756


Gesendet: 18:00 - 17.03.2007

Ostpreußen

Der alte Name des Ortes ist Pisserkeim und liegt dort, wo die Rominte in die Pissa mündet. Die Pissa ist ein Quellfluss des Pregels.

* prußisch "pisa, pisse" = tiefer Sumpf/ grundloser Morast, wo nur kleine Birken und Fichten wachsen
+ "caymis, kaimas" = Dorf, Ort


Rominte:
* prußisch "roms, rams, rums" = still, ruhig, bescheiden, sittsam, höflich, zahm (auch im Sinne von heilig gebraucht)

* prußisch-sudauisch "ramint" = beruhigen, besänftigen


Gumbinnen:
1580 wurde der Name Gumbinnen erwähnt und beschreibt die Lage am Rande der Wildnis. Ein prußisches Wort ist nicht überliefert. Vgl. dazu

* litauisch "gumbine" = Knotenstock
* "gumbinis" = knotig, knorrig
* "gumbingas" = voller Knorren, Knoten, Äste


Landeskunde:
Etwa in 5 km Luftlinie von Gumbinnen entfernt liegt ein Schlossberg, auf dem wohl die heidnische Burg Otholichia gestanden hat. Weitere Prußenburgen im Kreis Gumbinnen sind belegt.

1545 wurde auf Befehl des Herzogs Albrecht im Dorf Bisserkeim eine evangelisch-lutherische Kirche aus Fachwerk gebaut. Noch 1642 bestand das Dorf Bisserkeim aus einige Gehöften litauischer Bauart beidseits der Pissa, die durch Weidenhecken verbunden waren. 1656 wurde das Dorf durch Tataren verheert und wurde außerdem unter der "Großen Pest" 1709 - 1711 nahezu entvölkert. Dieser Umstand erregte das Mitleid des Königs Firedrich Wilhelm I., so dass er es 1722 zur Stadt erklärte. Im Januar 1724 wurde der Magistrat ernannt. 1726 folgte die Errichtung der litauischen Kriegs- und Domänenkammer.

Den Kolonisten aus Frankreich und der Schweiz, aus Nassau und der Pfalz, die zunächst ihre Gottesdienste in einem Brauhaus abhielten, stand später die evangelisch-reformierte Kirche in der Neustadt an der Darkehmer Straße zur Verfügung. Ebenso entstand eine Kirche in Sadweitschen (etwa 5 km von Gumbinnen entfernt), die jedoch später einging.

1732 wurden Salzburger Glaubensflüchtlinge im Kreis angesiedelt, um die Verluste durch die Pest auszugleichen. Ihnen wurde 1739 eine Notkirche erbaut, die später abgetragen wurde. 1839 wurde der Grundstein für die Salzburger Kirche in der Lazarettstraße in der Neustadt gelegt. Es ist ein geputzter Ziegelbau mit einfacher Ausstattung.

Gumbinnen wurde nach den Plänen eines Königsberger Architekten neu angelegt und wurde die Hauptstadt des Regierungsbezirks Gumbinnen. Das alte Rathaus, ein massives Gebäude mit hölzernem Turm, bestand seit 1741. 1741 - 1743 wurde der im Blockverband ausgeführte Ziegelbau des Militär-Magazins errichtet. Es steht in der Neustadt Unter den Linden. Das 1784/ 85 erbaute Bürgerhospital stand an der Stallupöner Straße.

1758 - 1762 war die Stadt durch Russen besetzt; 1807 - 1812 war das Gros der französischen Heere hier stationiert. Napoleon wohnte drei Tage in dem Haus, das später der Loge zur Goldenen Leier gehörte. 1824 feierte die Stadt ihr hundertjähriges Stiftungsfest. Zu diesem Anlass hatte der Magistrat das Ansuchen gestellt, ein Standbild des Königs Friedrich Wilhelm I. aufstellen zu dürfen. Das über drei Meter hohe Postament aus poliertem Granit wurde auf dem Marktplatz vor dem Regierungsgebäude aufgestellt. Die Enthüllung fand am 3. August 1835 statt, dem Geburtstag des verehrten Königs. Es trägt die Inschrift:

"Friedrich Wilhelm I., Litthauens Wiederhersteller, Gumbinnens Gründer
zur hundertjährigen Feier verheißen 1824,
errichtet 1835 von Friedrich Wilhelm III."

1739 wurde das Salzburger Hospital gestifte, das nebst drei dazugehörigen Häusern in der Lararettstraße stand. 1832 fand das Jubelfest der Salzburger statt. Das Rathaus wurde 1890 in der Darkehmer Straße in niederländischer Renaissance erbaut.

Weil im Laufe der Zeit die Wortbedeutung der Pissa verloren gegangen war, stellten die Bewohner an den preußischen König einen Antrag, den Fluss Pissa umzubenennen. Sie wurden jedoch mit einer flapsigen Bemerkung abgewiesen. Die Gumbinner selbst bevorzugten schamhaft, ihre Pissa mit Pregel zu bezeichnen.


Weitere Informationen:
* http://www.ostpreussen.net/index.php?seite_id=12&kreis=05&stadt=01
* http://de.wikipedia.org/wiki/Gumbinnen
* http://www.ostdeutsches-forum.net/preussen/ostpreussen/Stadt/gumbinnen/index.htm

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