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 Forum Index —› Deutschland —› Der Belle-Alliance-Platz in Berlin
 


Autor Mitteilung
Zeitlose Schönheit
Stammgast

Beiträge: 54


 

Gesendet: 02:47 - 14.11.2003

Es hört sich etwas unereichbar an da wir doch nur Hobbyfreaks der traditionellen Baukunst sind oder gibt es hier Leute welche sich beruflich mit Architektur befassen und Zugang zu Medien sowie zur Öffentlichkeit haben ?

Machbar ist es sicher, auch wenn wir alle nur Traditionalisten oder Ästheten sind. Die Frage welche sich stellt ist nur wie wir Aufklärungsarbeit leisten wollen.

Hast du `ne Idee ?
Zeitlose Schönheit
Stammgast

Beiträge: 54


 

Gesendet: 02:50 - 14.11.2003

Wir könnten Aufkläungsblätter zusammenstellen mit der Wahrheit über die Moderne und dem Beispiel des vergangenem Belle-Aliance-Platzes. Diese zig tausende male kopieren und ausdrücken und in der Nacht den Menschen vor die Haustür legen.
Stefan
Novize

Beiträge: 35


 

Gesendet: 03:06 - 14.11.2003

Einen vorher/nachher Vergleich könnte man ohne weiteres auf einem normalen DIN A4 zusammenstellen und überall Plakatieren oder an Besucher Verteilen. Mit geringem finanzielle Aufwand wäre dies möglich. Auch wenn es am Anfang nur müdes lächeln oder Reaktionen der Lokalpresse auslösen wird (wenn überhaupt), sollte man diese Strategie mit nahezu ätzender Penetranz fortführen. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.
Dazu könnte man in kurzen Sätzen sein Anliegen formulieren und auf dieses Forum oder die zukünftige Netzpräsens verweisen. Gewiss liegt das Alles noch in weiter Zukunft, falls es überhaupt soweit kommt. Doch eine Überlegung ist es sicherlich wert.
Das Stadtschloss war Anfangs auch nur ein belächeltes Hirngespinst und vor wenigen Wochen hat der Bundestag erst für seinen Wiederaufbau votiert.
Herr von Boddien hat all dies ganz alleine bewerkstelligt und wurde als „Schlossgespenst“ von seinen Gegnern verlacht. Wir sind dagegen viele.
Zeitlose Schönheit
Stammgast

Beiträge: 54


 

Gesendet: 03:34 - 14.11.2003

Ich glaube jedoch auch, dass sich viele mit Architektur nicht weiter befassen, weil sie es als zu kompliziert, langweilig und komplex ansehen. Es gibt so viele Menschen welche genug andere Dinge im Kopf haben. Zum Beispiel ich. Nur rein zufällig bin ich überhaupt auf den Hund gekommen. Bei mir fing es an als der Potsdamer Platz noch mitten im Bau steckte und man den Lehrter Bahnhof plante. Von da an dachte ich, es tut sich erstens etwas und umso weiter ich kam umso vertrauter wurde mir das ganze. Wahrscheinlich ist es der selbe Grund weshalb sich Jugendliche auch nicht sehr oft für Politik interessieren. Man fühlt sich ausgegrenzt. Es gibt keinen Punkt an dem dieses Fach zu den Menschen gelangt sondern der Mensch muss dieses Fach finden. Genau diese Tatsache stößt mir auf. Wieviel könnten wir bewegen, wenn für viele mehr Architektur zugänglicher gemacht würde und sie nicht hier und da mal auf der Straße eine Baustelle vorfinden. Die denken doch, dass sie überhaupt kein recht zur Mitsprache haben geschweige denn sonst etwas.
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 09:54 - 14.11.2003

@zeitlose schönheit

Zu Deiner Frage, ob es hier neben "Hobbyfreaks" auch "ernstzunehmende Teilnehmer" gibt: Ja gibt es - unterschätze uns mal nicht und lies Dir einige Beiträge nochmal genau durch, da findest Du Hinweise, was wir alles so machen oder gemacht haben.

Ich habe jetzt so ca. die Hälfte der "aktiven" Teilnehmer des Forums kennengelernt und glaub mir: Wir brauchen uns nicht zu verstecken...

Hier mal - unvollständig - ein paar Berufsgruppen der Teilnehmer:
(obwohl wir uns auf den Treffen wahrlich nicht über unsere Berufe unterhalten haben...gähn! )

Filialleiter
Verleger
Architekt
Architekturstudent
Informatik-/Philosophie-Student
Diplom-Ingenieur
Jurist
Journalist
Wirtschaftsinformatiker
Wirtschaftswissenschafts-Student
Physik-Student
Hochschuldozent

(Sorry an alle anderen, die mir jetzt auf die Schnelle nicht eingefallen sind, aber soll ja eh nur den breiten Querschnitt klarmachen!)

Also kurz und gut: Wir sind hier nicht ein Haufen Spinner, sondern stehen mitten im Leben, wir brauchen unser Licht auch nicht unter den Scheffel stellen!!

Das ist eben unsere große Chance und wir sollten sie nutzen!!

Grüße
PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 12:21 - 14.11.2003

Also, ich frage mich manchmal, ob ich hier gegen eine Wand rede. Jetzt diskutiert ihr ob man das wie ein Boddien Projekt handhabt. Wisst ihr was das heisst? Ein Fulltime-Job!

Ich habe ganz klar gesagt, wie man mit WENIGEN MItteln schon mal viel erreichen kann. Merkwürdigerweise gehen hier fast alle darüber hinweg, so als hätte ich es nicht gesagt. Wir haben es hier mit einem Bausenator zu tun, der offensichtlich was begriffen hat. Aber könnt ihr euch vorstellen, wie der angegriffen wird von Kollegen, wenn er nicht "modern" baut, sondern die "alten Kamellen" wieder ausgraben will? in einer Stadt wie Berlin auch noch?

Das ist folglich jemand, der irgendwie auch mit dem Neuen unzufrieden ist, so wie wir, der aber noch Zweifel hat, und gegen große Widerstände arbeiten muss. Jemand wie er, der im Licht der Öffentlichkeit steht, wird schnell fertig gemacht. Deswegen denke ich, es ist dsa beste, diesen Herrn einfach mal zu unterstützen. Das ist auch nur ein Mensch! Wenn er zahllose Zuschriften bekommt, "Machen Sie weiter so", etc, das wird enorm viel ausmachen - das sind alles nur Menschen, die sich auch mal über Lob freuen. Und diesen Herrn hier KANN man loben, und MUSS man auch!

Allerdings hab ich bei der "wegseh-Mentalität und der "wieso ich, das machen doch schon andere"-Mentalität meine Zweifel, ob er wirklich zahllose Zuschriften erhalten wird....

Wollt ihr weiter in euren Schwarzweissbildern wühlen und noch mehr darüber weinen, was alles verloren wurde - oder wollt ihr was tun?

Tut mir leid, ich kann euch nicht verstehen.
PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 12:26 - 14.11.2003

PS
ich habe das grade noch mal mit den DIN -A 4 Blättern gelesen. Das ist eigentlcih eine gute Idee. Aber Berlin ist eine große Stadt, und die Leute in Charlottenburg interessiert es nicht, wie es in Kreuzberg aussieht; ich wohne 15 Jahre hier, ich weiss dass es so ist.

Hört doch bitte endlich mal auf mich, und glaubt mir, dass dieser Bausenator ein Glücksfall ist! Ich schlage vor, das Thema überhaupt erst mal zu eröffnen, bei ihm.

Wenn viele Leute ihm schreiben, hat er einen Trumpf in der Hand: WEnn dann die modernisten schreien "sie sind Rückwärtgewandt!", etc kann er sagen "die Leute aus der Bevökerung wollen es aber so, wie viele Leute wollen denn ihre Glasfassaden?"

Nochmal: Das istjemand, den wir unterstützen können - mit einfachen Mitteln! 5 Sätze in einer Email kann doch wohl jeder schreiben!

Email:

hans.stimmann@senstadt.verwalt-berlin.de

Postadresse:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Dr. Hans Stimmann
Württembergische Strasse 6
10707 Berlin
Stefan
Novize

Beiträge: 35


 

Gesendet: 12:37 - 14.11.2003

Es fängt im kleinen an, ganz langsam Schritt für Schritt. Aber anfangen muss man halt. Das ist doch bei allen Dingen des Lebens so.
Ich bin mir absolut sicher, dass die Mehrheit der Menschen in diesem Land für klassische Architektur votieren würden, wenn man sie nur ließe.
Das zeigen auch diverse Befragungen in Berlin. Hätte die Bevölkerung entscheiden können, dann hätte Kollhoff seinen Tempel gebaut.
Auf den forderen Plätzen einer Umfrage (ich glaube von der GHB)lagen ebenfalls klassische Neubauten oder Gebäude, die sich an klassischer Gestaltung in Teilen orientierten. das Bewußtsein ist sicherlich vorhanden. Man muss den Menschen nur eine Plattform bieten, dieses Bewußtsein auch umzusetzen.
Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Forum entdeckte, dachte ich auch, ich wäre nur ein Einzelner und schlage mir einsam die Nächte bei Google um die Ohren. Ich habe mich glücklicherweise geirrt. Nicht nur verbohrte, alte und erzkonservative Menschen können sich für klassische (und natürlich zeitlose ;-) Schönheit begeistern, sondern ganz normale wie du und ich. Und wir sind nicht allein.
PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 12:49 - 14.11.2003

@Stefan
Schreibst du nun, oder nicht? Was du sagst, weiss ich alles schon. Das "wenn man nur..." nützt uns nichts. Ihr seid alle gleich: in der selben Zeit, in der ihr etwas Konkretes machen könnt, erklärt ihr mir, in noch mehr Sätzen, warum es die anderen machen sollen. Schick deine Meinung endlich ab! Nicht an mich, ich kenne sie schon!
PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 12:52 - 14.11.2003

hans.stimmann@senstadt.verwalt-berlin.de


Herrn Dr. Hans Stimmann
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Dr. Hans Stimmann
Württembergische Strasse 6
10707 Berlin



betr.
Ihre Planungen Klosterviertel/ Bitte um Wiederherstellung des Mehringplatzes und um Rettung des UNESCO Welterbes Museumsinsel vor gewollter Zerstörung

Sehr geehrter Herr Stimmann,

zuerst möchte ich Ihnen gratulieren, dass Sie es fertiggebracht haben, in Berlin wieder ein Stück "Berlin" herzustellen, zumindest was die Planung betrifft. Ich beziehe mich hier auf Ihr Vorhaben für Molkenmarkt und Klosterviertel. Ich hoffe, dass man in Berlin noch mehr wiederherstellen wird, und dass man nicht nur historische Grundrisse wiederaufnimmt, sondern dass man sich ebenso in der Gestaltung der Gebäude am Historischen orientiert. Dass der Baustil der "Moderne" mit seinen aalglatten und Glasfassaden von den Menschen als unwirtlich, kalt und unmenschlich empfunden wird, ist inzwischen bekannt. Man darf den strengen Funktionalismus des letzten Jahrhunderts als obsolet betrachten, und dass Stadtplanung des vergangenen Jahrhunderts zu großen Teilen als gescheitert anzusehen ist, ebenso; leider wird aber heute sowohl dieser Baustil als auch die ihn begleitende Ideologie der Stadtplanung von vielen Zeitgenossen immer noch unbeirrt praktiziert - so, als habe es die Fehler am Alexanderplatz, am Ernst Reuter Platz und vielen anderen überhaupt nicht gegeben. Man kann also sagen: zeitgenössiche Architektur bedient sich eines alten Baustils, copiert ihn tausendfach, und ist somit selbst "Retro". Insofern finde ich ihre Pläne für Molkenmarkt und Klosterviertel vorbildlich und bin sehr erfreut über Ihr Vorhaben, da dies Impulse geben wird für eine Rückkehr zu menschlicher Architektur. Sie sind nich "rückwärts", wie viele Ihrer Kollegen behaupten, nein - sie sind vorwärtsgewandt: Allein deswegen, weil sie die obsoleten Dogmen, man dürfe nur mit ornamentlosen Glas-, Stahl- und Betonfassaden bauen, alles andere sei "verboten", in Frage zu stellen wagen. Das trauen sich nicht viel Akademiker - die Kollegen vom Feuilleton, wie Sie wissen, trauen sich das ganz sicher nicht. Meiner Ansicht nach reden Feuilletonisten in geschickter Wortwahl einer Ideologie nach dem Mund, und trauen sich nicht, eigenständige Gedanken zu entwickeln.

Noch vor Kurzem galten die Patzschkes unter "modernen" Architekten mit dem "Adlon" als "Verräter", als "primitiv", als "rückwärtsgewandt", gar "faschistisch". Die Patzschkes erhielten, so entnahm ich einem Zeitungsbericht, Drohbriefe und Drohanrufe. Die Rehabilitierung von Säule und Gesims, die Wiederzulassung des "verbotenen" Ornaments schien der Größte Sündenfall. Und was ist heute, nur wenige Jahre später? Das Adlon ist einer der größten Erfolge, und ich hoffe, dass man die Patzschkes auch am Leipziger Platz bauen lässt.

Berlin ist ja von veralteten Vorstellungen des Städtebaus ("Autogerechte Stadt" anstelle "menschengerechte Stadt")in Hohem Maße entstellt. Diese toten und kahlen "modernen" Viertel, bestehend aus primitiven Betonkuben und - Quadern, haben wir denjenigen zu verdanken, die noch immer nicht die Fehler einsehen, die uns die katastrophalen Fehlplanungen modernistischer Ideologie des vergangenen Jahrhunderts beschert haben. Berlin ist eine zu weiten Teilen entstellte Stadt, und sagt, hier müsse man nichts rekonstruiere, braucht sich nur einen Plan anzusehen, auf dem die "moderne" Nachkriegsbebauung und die Originalbebauung farblich dargestellt sind: Historische Viertel wie die Museumsinsel, und ein Teil "unter den Linden" sind die absolute Ausnahme in Mitte.

Von daher begrüße ich es ausdrücklich, dass sie diese Fehler nicht nur sehen (das tun nämlich die meisten Verantwortlichen nicht), sondern auch ausreichend in Frage stellen und Taten folgen lassen (Beispiel Molkenmarkt, Klosterviertel), wie ich einem Interview mit Ihnen entnehmen durfte.

Bitte lassen Sie sich nicht von ideologisch verbildeteten Vorwürfen, all das sei "rückwärtsgewandt", beeinflussen. Der Zeitgeist ist auf Ihrer Seite: Denn Zeitgeist wird nicht nur artifiziell an Universitäten von Ideologien erdacht; Dogmatische Modernisten haben kein Monopol für Zeitgeist! Nein, Zeitgeist ist eine gesamtgesellschaftliche Strömung, die sich vor allem in der Meinung einer heterogenen Bevölkerung erfasst: Zeitgeist und Bevölkerung ausdrückt: Die Bevölkerung, so heterogen sie auch ist, will eine Rückkehr zu menschlicher Architektur, Aufhebung des Ornament-Verbots, Aufhebung der modernistischen Alleinvertretungsanspruchs-Doktrin; sie will eine Rückkehr zu Urbanität und Lebendigkeit: Rückkehr zum Prinzip "Europäische Stadt", anstatt anonyme und austauschbare "Globalisierungs-Moderne". Die angeblich "moderne" Moderne hatte lange genug ihre Chance. Meiner Ansicht nach ist die "Moderne" inzwischen ein Phantom, ein wandelnder Toter, der nurmehr künstlich aufrecht erhalten wird: Oder wie sonst ist es möglich, dass es überhaupt eine "Postmoderne", also eine "NACH"-Moderne gab? Die übrigens auch schon vorbei ist! Es GIBT keine Moderne mehr. Akademisch wird aber daran festgehalten. Das dramatische

Ergebnis des modernistischen Irrwegs sehen wir besonders im Gebiet um den Alexanderplatz. Zeitgemäße Stadtplanung muss sich wieder an Erfahrungswerten urbaner Strukturen orientieren, anstatt an Experimenten, die sich inzwischen als gescheitert erwiesen haben, mit tragischen Auswirkungen.Von daher bin ich froh, dass Sie diese veralteten Strukturen besonders im Gebiet Klosterviertel/Molkenmarkt/Alexanderplatz , von einigen fälschlicherweise immer noch als "modern" bezeichnet, mit einer auf Erfahrungswerten beruhenden Architektur erneuern möchten

Eine dieser tragischen Auswirkungen, die sich blinder modernistischer Fortschrittsglaube und noch heute geltenden Ideologien zuzuschreiben haben, ist der "Belle-Alliance- Platz". Ich bekam durch Zufall einige Aufnahmen zu sehen, die den Platz im Originalzustand zeigen. Ich war schockiert - kenne ich doch den Platz, besser gesagt, den Un-Ort von heute, als "Mehringplatz".

Hans Scharoun hat sich fatal geirrt,als er den Platz konzipierte. Es wird noch heute "modern" genannt. Ist das nicht absurd, ja, sogar grotesk? Das ist doch nicht "modern" - es ist hoffnungslos veraltet. Scharoun hat ein Horror Vacui geschaffen, ähnlich seiner Kollegen im Osten auf dem Alexanderplatz . Vergleicht man die Bilder des Belle-Alliance-Platzes vor der Zerstörung und heute, ist man fassungslos und schüttelt den Kopf: Scharoun hat völlig bewusst und völlig intentionell eine nichtssagende, tote Landschaft geschaffen.

Ich kenne den Platz sehr gut, lief dort täglich hinüber zur Arbeit, mehrere Jahre lang - ich weiss, wovon ich spreche. Ich wunderte mich beim hinübergehen jedesmal, jeden Tag: "Wer hat so etwas getan? Warum"? Nun weiss ich, wer es war. Aber das ist zweitrangig - seit ich die Bilder des Originalplatzes kenne, ist erstrangig, dass er zerstört wurde. Nein, nicht nur durch den Krieg - auch durch mutwillige Zerstörung der Moderne.

Ich möchte Sie daher bitten, den Platz wieder nach den Originalstrukturen herzustellen. Das hat nichts mit "Rückwärtsgewandt" zu tun, sondern einzig und allein mit Qualität, also mit der simplen Frage: "gut" oder "schlecht". Mir scheint die ewige Kritik der Modernisten an der Stadtreparatur, die sich in Kategorisierungen wie "Vorwärtsgewand" oder "Rückwärtsgewandt" oder gar "Disneyland" etc. flüchtet, nichts weiter als ein Versuch der Moderne, dem Vergleich mit ihren Vorgängern zu entkommen:

Denn wie sie bei dem Vergleich mit den früheren Kollegen abschneidet - man betrachte eben nur den Alexanderplatz, den Schlossplatz, oder eben den Belle-Alliance-Platz - ist ja offensichlich: Sie würde allein durch das Betrachten des Vorher-Nachher innerhalb einer Sekunde entlarvt - als fataler Irrweg. Deshalb muss der Belle-Alliance-Platz bzw. Mehringplatz bei der Umgestaltung sich wieder am Originalplatz orientieren.

Mein weiteres Anliegen ist kurz: Ich sah einen Entwurf des Architekten Chipperfield für die Museumsinsel. Die Museumsinsel ist, wie Sie wissen, UNESCO Welterbe geschützt. Ich und viele andere Menschen betrachten diesen Entwurf von Chipperfield als einen gewollten Angriff auf ein geschütztes historisches Ensemble. Berlin hat derer nur noch wenig, und ein amerikanischer Spassgesesellschafts-Entwurf wird sich hier fatal und destruktiv auswirken. Der Architekt Kollhoff hat hingegen einen Entwurf vorgelegt, der von Sensibilität zeugt, und das Ensemble respektvoll und contextualistisch, also den Context wahrend, ergänzt. Es ist nicht nachvollziehbar, wie Herr Bastian, der Besitzer des Areals, mutwillig einen Entwurf vorzieht, der den Context von Areal und Stadt gewollt missachtet, ja sogar attackiert.

Ich bitte Sie daher ebenso dringend, zusätzlich zur Umgestaltung des Mehringplatzes diesen Angriff auf die Museumsinsel zu verhindern.

Zuletzt möchte ich Ihnen danken für ihr bisheriges Engagement, wieder Menschlichkeit und, fast möchte ich sagen, VERSTAND in die Stadtplanung zurückzubringen. Ich habe soeben noch mal einen Teil ihres Interviews durchgelesen, was Sie über die Fischerinsel, die Feuilletonisten (die sich mit Händen und Füßen privat gegen das wehren würden, was sie öffentlich propagieren) , etc. sagten: "Die Abstimmung über viele Wohnsiedlungen und Bürogebäude der Nachkriegsmoderne findet übrigens mit den Füßen statt und nicht in den Feuilletons" (Stimmann). Ich kann nur sagen: Ich stimme Ihnen 100% zu! Das, was sie in dem Interview sagten, ist zum Teil genial.

Ich hoffe, dass sie weitermachen wie bisher, sogar noch konsequenter werden. Ich garantiere Ihnen, nicht nur die Bevölkerung, auch Wissenschaftler (Prof Blobel, Prof Hans Nadler, Dr. Stefan Hertzig und viele andere) sind auf Ihrer Seite. Die Modernisten, die gerne ihr Diktat weiter ausüben würden, sind sicher nicht auf Ihrer Seite. Aber das ist eine verschwindend geringe Minderheit - die Mehrheit der Bevölkerung sind keine ideologisch-dogmatischen Architekten. Und wir leben nun mal in einer Demokratie - Gott sei Dank!

Bitte machen Sie weiter wie bisher, und lassen Sie sich nicht einschüchtern von "Disneyland" - Rufen.

mit freundlichen Grüßen,


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