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Autor Mitteilung
B. Szillis-Kappelhoff
Moderator

Beiträge: 756


Gesendet: 12:40 - 20.03.2007

Ostpreußen
Der polnische Name Swieta Lipka basiert auf der deutschen Bezeichnung.

* prußisch "swentas, swintas, swints, swentan" = heilig; "swentint" = weihen, widmen; "swentiskas" = geistig, geistlich
* prußisch-nadrauisch "swencziama, swente kauschele" = heilige Schale, die für den Maldininkas (Beter) bereitgestellt wird
* prußisch-sudauisch "swentainas" = Zuflucht, Schutzgebiet

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* prußisch "lipa, lipe" = Linde, Juli (Lindenmond)
* prußisch "lipit, lippiz" = weißes Met, das aus Lindenblütenhonig hergestellt wird
* prußisch-sudauisch "lipt" = kleben, halten, haften, klettern


Landeskunde:
* Der Name Heilige Linde geht auf eine heidnische Kultstätte zurück, an deren Stelle eine Kirche errichtet wurde.

So wie die Eiche der Baum des Donnergottes Perkunos ist, ist die Linde der Baum der Fruchtbarkeitsgöttin Puskaite. Zu ihren Ehren wurden im Frühjahr und im Herbst besondere Feste gefeiert.
Sie ist Herrin über hilfreiche Erdgeister, die die Erde aufbereiten und unter Holunderbüschen wohnen. Diese Erdgeister werden Kaukai, Kaukas, Cawks, Kuks, Barstukai oder Parschtukei genannt. Um die Erdgeister gewogen zu stimmen, legte man ihnen auf dem eigenen Grundstück Nahrung an die Holunderbüsche und freute sich, wenn sie am nächsten Tag verschwunden war, war es doch ein Zeichen, dass die Kuks das Opfer angenommen hatten und dem Gehöft gnädig gestimmt waren.

Im Jahr 1311 fielen Litauer unter Großfürst Witen in das Gebiet um Bäslack ein und wurden vom Großkomtur Heinrich von Plotzk geschlagen. Der Legende nach kam ihm die Mutter Gottes zu Hilfe. An einer Linde sollen Kinder Marienerscheinungen gehabt haben. Zum Andenken an den Sieg wurde ein Marienbild errichtet und eine Kapelle gebaut. Heiligelinde wurde der berühmteste Wallfahrtsort Ostpreußens.

Unter Bischof Simon Rudnicki wurde die 1524 zerstörte Kappelle wieder aufgebaut. Der heutige barocke Bau wurde von 1687 bis 1730 vom Tiroler Baumeister Georg Ertly unter Jesuiten erbaut und ist von einem viereckigen Kreuzgang umgeben, an dessen Ecken Kuppelkappellen stehen. Die kunstgeschmiedete Pforte stammt von einem Meister aus Rößel.
Berühmt ist die Orgel aus der Werkstatt des Königsbergers Johann Josua Mosengels mit ca. 4000 Pfeifen. Der Orgelprospekt hat Figuren (teils beweglich) zum Thema Mariä Verkündigung.


Weitere Informationen:
* http://www.reise-nach-ostpreussen.de/Masuren/heiliglde.html
* http://www.ostdeutsches-forum.net/preussen/ostpreussen/Geschichte/Heiligelinde.htm

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